KABUL IM CHAOS: Für afghanische Ortskräfte wird es eng – Scharfe Kritik an Maas | WELT Spezial

KABUL IM CHAOS: Für afghanische Ortskräfte wird es eng - Scharfe Kritik an Maas  | WELT Spezial

Nach ihrer faktischen Machtübernahme in Afghanistan haben die Taliban eine Politik der Versöhnung versprochen. Es werde keine Racheakte an jenen geben, die der bisherigen Regierung oder ausländischen Mächten geholfen hätten, erklärte der langjährige Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid am Dienstag bei seiner ersten öffentlichen Pressekonferenz überhaupt. «Jedem ist verziehen.» Die Taliban würden auch Frauenrechte achten, jedoch im Rahmen des islamischen Rechts. Viele Afghanen reagierten skeptisch auf die Ankündigungen.

Die militant-islamistischen Taliban hatten in einem Blitzfeldzug eine Provinzhauptstadt nach der anderen erobert und am Wochenende schließlich auch die Hauptstadt besetzt, während der vom Westen unterstützte Präsident Aschraf Ghani ins Ausland floh. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg machte der bisherigen Führung am Dienstag schwere Vorwürfe. Deren Versagen habe zur Tragödie geführt, die wir heute erleben.» Zugleich räumte Stoltenberg ein, dass die Militärallianz auch eigene Fehler bei der Ausbildung afghanischer Streitkräfte offenlegen müsse.

Nach Chaosszenen am Kabuler Flughafen setzten westliche Staaten unter Hochdruck ihre Bemühungen fort, diplomatisches Personal und örtliche Angestellte sowie deren Familien außer Landes zu bringen. Am Montag hatten Tausende Afghanen verzweifelt versucht, an Bord von Flugzeugen zu kommen, die örtliche Mitarbeiter und deren Angehörige ausflogen. Viele drängten auf die Startbahn, andere klammerten sich auf dem Rollfeld an eine abhebende US-Militärmaschine und stürzten dann in den Tod, wie schockierende Videos zeigten. Nach Angaben von hohen US-Militärbeamten gab es inmitten des Chaos mindestens sieben Tote.

Ein Transportflugzeug der Bundeswehr musste in der Nacht wegen des Durcheinanders mit lediglich sieben Personen an Bord abfliegen, weil es nach Angaben des Auswärtigen Amtes ständig Schusswechsel gab und die Sicherheitskräfte am Flughafen weitere Personen nicht zu der Maschine ließen, sondern stattdessen auf einen schnellen Abflug drangen. Später hob eine zweite Bundeswehrmaschine mit 125 Menschen vom Kabuler Flughafen ab.

Am Dienstagabend (Ortszeit) hätten Taliban den zivilen Bereich des Flughafens betreten, in die Luft gefeuert und rund 500 Menschen verscheucht, sagte ein afghanischer Behördenvertreter. In Washington sagte Pentagonsprecher John Kirby indes, dass die Taliban gemäß einer Absprache die Evakuierungen aus Kabul bisher nicht behinderten. Die USA wollten die Taktung der Evakuierungsflüge deutlich erhöhen und ab Mittwoch stündlich Maschinen abheben lassen. US-Präsident Joe Biden hatte den Taliban am Montag mit «vernichtender Gewalt» gedroht, falls sie die Evakuierungsaktionen stören sollten.

#afghanistan #taliban #kabul

Der WELT Nachrichten-Livestream http://bit.ly/2fwuMPg
Abonniere den WELT YouTube Channel http://bit.ly/WeltVideoTVabo
Die Top-Nachrichten auf WELT.de http://bit.ly/2rQQD9Q
Unsere Reportagen & Dokumentationen http://bit.ly/WELTdokus
Die Mediathek auf WELT.de http://bit.ly/2Iydxv8
WELT Nachrichtensender auf Instagram https://bit.ly/IGWELTTV
WELT auf Instagram http://bit.ly/2X1M7Hk

In eigener Sache: Wegen des hohen Aufkommens unsachlicher und beleidigender Beiträge können wir zurzeit keine Kommentare mehr zulassen.

Danke für Eurer Verständnis – das WELT-Team

Video 2021 erstellt

Powered by WPeMatico

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.