EM-DRAMA: Teamarzt: „Er war schon weg!“ – „Eriksen ist wach, sein Zustand stabil!“ | WELT Newsstream

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Den Schock von Kopenhagen fasste die dänische Zeitung «Ekstra Bladet» in einer epochalen Schlagzeile zusammen: «Dänemark verliert. Aber das Leben hat gewonnen.» Millionen Menschen an den Bildschirmen, im Stadion und auf dem Spielfeld bangten am Samstagabend um den dänischen Star Christian Eriksen, der während des EM-Spiels gegen Finnland (0:1) zusammengebrochen war und wiederbelebt werden musste. Am Tag danach bestätigte der dänische Verband noch einmal den erlösenden Befund: «Sein Zustand ist stabil und er bleibt für weitere Untersuchungen im Krankenhaus.»

Dass der 29-jährige Mittelfeldspieler von Inter Mailand seinen Zusammenbruch überlebt hat, überstrahlt in Kopenhagen erst einmal alles: Die Nachricht, dass der dänische Verband dem Rest des Teams nun psychologische Hilfe zur Verfügung stellt, um die Emotionen dieses Abends verarbeiten und schon am Donnerstag (18.00 Uhr/ZDF und Magenta TV) gegen Belgien wieder antreten zu können. Die massive Kritik daran, dass das Spiel nach einer Unterbrechung von 107 Minuten noch am Samstagabend fortgesetzt wurde.

«Wir wurden alle daran erinnert, was die wichtigsten Dinge im Leben sind», sagte Dänemarks Nationaltrainer Kasper Hjulmand: «Die Menschen, die einem nahe stehen. Das sind die Familie und Freunde.»

Denn um die Welt gingen am Samstagabend nicht nur die Bilder von Eriksen selbst. Sondern auch die von seinem dänischen Kapitän und engen Freund, der nun als so etwas wie ein Held von Kopenhagen von Medien, Mitspielern und Fans gefeiert wird. Es war der frühere Wolfsburger Simon Kjaer, der den am Boden liegenden Eriksen in eine stabile Seitenlage brachte und verhinderte, dass dieser seine Zunge verschlucken konnte. Es war auch Kjaer, der die heraneilende Freundin Eriksens tröstete und der seine Mitspieler dazu brachte, einen Sichtschutz um ihren regungslosen Star zu bilden.

«Simon war tief betroffen», sagte Hjulmand hinterher. Als feststand, dass die Partie doch noch fortgesetzt wird, führte Kjaer sein Team noch einmal mit Tränen in den Augen auf das Spielfeld zurück. 20 Minuten später konnte auch er nicht mehr. Der 32 Jahre alte Abwehrchef bat emotional am Ende der Kräfte um seine Auswechslung.

Dass es überhaupt dazu kam und beide Mannschaften das Spiel noch am selben Abend noch einmal aufnahmen, steht seit dem Moment des Wiederanpfiffs massiv in der Kritik.

Die UEFA verweist auf die Statuten, hat aber das Problem, dass der Umgang mit medizinischen Notfällen darin nicht geregelt wird. Nach Angaben des dänischen Trainers gab es genau zwei Alternativen: Noch am Abend weiterzuspielen oder dies am Sonntagmittag zu tun. Beide Mannschaften hätten sich ohne zusätzlichen Druck der UEFA eindeutig für die erste Variante entschieden.

Eriksen gelangte noch im Stadion wieder zu Bewusstsein. «Er konnte mit mir sprechen, bevor er ins Krankenhaus gebracht wurde», bestätigte der dänische Teamarzt Morten Boesen bei der Pressekonferenz nach dem Spiel.

«Als wir zu ihm kamen, lag er auf der Seite, atmete und hatte einen Puls. Das änderte sich aber sehr schnell und wir begannen mit der Herzbehandlung. Wir haben Christian zurückgeholt.», sagte Boese.

Am Sonntag präzisierte der Arzt: "Er war schon weg. Es war ein Herzstillstand!», sagte Boesen, verwies dabei auf Herzspezialisten. «Wir haben ihn mit Hilfe eines Defibrillator-Einsatzes zurückbekommen. Und das relativ schnell», berichtete Boesen weiter.

Was genau Eriksen hat und wann und wie er sich von diesem Zusammenbruch erholt, ist noch unklar. Es gibt ein paar Anzeichen der Hoffnung, wie zum Beispiel die Aussagen seines Club-Geschäftsführers Beppe Marotta von Inter Mailand beim italienischen TV Sender Sky Sport: «Das Schöne ist, dass er eine Nachricht in unseren internen Inter-Chat geschickt hat. Er hat die Mannschaft beruhigt und gesagt, dass er bald zurück sein wird.»

Bei aller Tragik zeigte dieses Drama von Kopenhagen auch, welche Kraft der Fußball in solchen Momenten entfalten kann. Clubs und Spieler nahmen weltweit einen großen Anteil an Eriksens Zustand. Auch die deutschen Nationalspieler waren nach Angaben ihres Teamarztes Tim Meyer «sichtlich geschockt. Es gab eine Menge Gespräche mit den Spielern», sagte er am Sonntag.

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