BIONTECH/PFIZER: EU-Arzneimittelbehörde lässt Impfstoff für Kinder ab zwölf zu | WELT Newsstream

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Die Europäische Arzneimittelbehörde hat den Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen. Es ist in der EU der erste Impfstoff, der für diese Altersgruppe eine Genehmigung erhalten hat.

Unterdessen haben die Ergebnisse des Impfgipfels von Bund und Ländern ein sehr unterschiedliches Echo ausgelöst. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder hatten am Donnerstagabend beschlossen, dass sich Kinder ab 12 Jahren ab dem 7. Juni impfen lassen können. Allerdings soll es keine eigene Impfkampagne und keinen zusätzlichen Impfstoff geben. Die Jugendlichen müssen sich wie andere Impfwillige um einen Termin bemühen. Zudem betonten die Teilnehmer des Gipfels, dass "ein sicherer Schulbetrieb auch in Zukunft unabhängig davon, wie viele Schülerinnen und Schüler ein Impfangebot wahrnehmen, gewährleistet" werde. Ein Impfzwang soll damit ausgeschlossen werden.

Enttäuscht zeigte sich der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Aus seiner Sicht wäre es sinnvoll gewesen, den Jugendlichen eine höhere Priorität einzuräumen, sagte er am Donnerstagabend im ZDF. Sie hätten unter der Pandemie stark gelitten. Lauterbach kritisierte zugleich, dass jetzt ausgerechnet die Jugendlichen ausbaden müssten, dass Deutschland Impfstoffe in andere Länder gebe.

Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt, zeigte sich enttäuscht, dass entgegen vorheriger Aussagen kein zusätzlicher Impfstoff für Jugendliche bereitstehe. Wenn solche Versprechungen nicht eingehalten würden, verliere die Politik an Vertrauen, sagte sie im RTL/ntv-"Frühstart".

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, kritisierte, dass die Debatte vom Wahlkampf überlagert werde. "Es gehen zu viele Argumente durcheinander, die nicht zusammengehören", sagte Mertens der "Rheinischen Post" (Samstag). Er wandte sich dagegen, die Rückkehr zum vollen Präsenzunterricht mit den Impfungen für Kinder und Jugendliche zu verknüpfen.

Ärztepräsident Klaus Reinhardt warnte vor wachsendem Druck auf Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen. Die Datenlage zu Risiken und Nutzen sei derzeit noch unzureichend, sagte der Chef der Bundesärztekammer der "Rheinischen Post". Auch er wandte sich dagegen, die Teilnahme am Präsenzunterricht von einer Impfung abhängig zu machen. "Dies wäre nichts anderes als eine Corona-Impfpflicht durch die Hintertür."

Der Deutsche Lehrerverband bezweifelte, dass die Beschlüsse positive Auswirkungen auf das nächste Schuljahr haben werden. Verbandschef Heinz-Peter Meidinger sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), die weiter ausbleibende Impfempfehlung der Stiko werde vermutlich die Mehrheit der Eltern davon abhalten, ihre Kinder impfen zu lassen.

Die Bildungsgewerkschaft GEW nannte es unverständlich, dass Bund und Länder den Impfstoff nun auch für Kinder und Jugendliche freigeben wollen, obwohl die Stiko voraussichtlich etwas anderes empfehlen werde. "Wenn die Stiko empfiehlt, nicht einfach alle Kinder und Jugendlichen zu impfen, sondern nur die mit Vorerkrankungen, sollte man sich danach richten", sagte GEW-Chefin Marlis Tepe. Zunächst sollten aber Erwachsene geimpft werden, die in Kitas und Schulen arbeiten.

Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe, Karin Böllert, bewertete die Impferlaubnis für Jugendliche grundsätzlich positiv. Es sei zumindest ein Zeichen, dass Kinder und Jugendliche nicht so vergessen würden wie häufig in den vergangenen Monaten, sagte sie dem rbb. Aber dieser Schritt werde nicht reichen. "Wir brauchen auch Öffnungsperspektiven jenseits der Impfung von jungen Menschen, denn es wird noch lange dauern, bis alle geimpft sind, und trotzdem möchten auch junge Menschen zurück ins normale Leben."

Für die offene Kinder- und Jugendarbeit, für Ferienmaßnahmen, andere Freizeitangebote und den Sport könne die Impfung nicht das Ticket für eine Teilnahme sein, sagte Böllert. Die Träger der Kinder- und Jugendhilfe warteten auf Corona-Verordnungen, die Teststrategien als Grundlage für Öffnungen vorsehen.

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